Willkommen in der Klosterschänke

Klosterruine wird zum kulinarischen Hotspot

Das allererste eigene Bier floss den Klosterbrüdern in Hude 1306 die Kehlen hinunter. Die gleiche Freude empfinden Wanderer nach ihrem Marsch durch das nahe Moor und die Geest, wenn sie in die Klosterschänke einkehren. Seit nunmehr 32 Jahren betreibt Jens Burgdorf die urige Kneipe und das dazugehörige, rustikal-feine Restaurant.

Schon als kleiner Junge zog es ihn immer wieder zu einem der schönsten Attraktionen im Oldenburger Land, zur denkmalgeschützten Klosterruine. Mit gerade mal 20 Jahren entschloss der gelernte Restaurantfachmann sich, gemeinsam mit seinen gastronomieerfahrenen Eltern und seinem Bruder, die Klosterschänke zu übernehmen. Während der Vater das Objekt eher als Investitionsgeschäft sah, fand Jens Burgdorf mit der Klosterschänke seine ganz persönliche Lebensaufgabe. „Die Gaststätte stand einige Jahre leer, bevor wir uns entschieden, hier zu investieren“, sagt Jens Burgdorf. „Es gab einiges zu tun: Das Restaurant wurde grundsaniert, die Gästezimmer ausgebaut, die Terrasse wurde erweitert. Insgesamt haben wir damals 700.000 DM in die Umbaumaßnahmen und die nötigen Anschaffungen gesteckt.“ Die Bedingung dafür, dass sie sich diesem Großprojekt annahmen, war ein langfristiger Pachtvertrag, den sie nach einigen Verhandlungen bekamen.

Eröffnung der Klosterschänke fällt aus

Eigentlich hatte Jens Burgdorf ein Soft-Opening geplant und wollte sich und den Kollegen Zeit zum Eingewöhne geben. „Wir haben die Spezialitätenwoche eingeführt, um so herauszufinden, was bei unseren Gästen gut ankommt“, erzählt er. „Von russisch, über spanisch, indonesisch, ungarisch und sogar südamerikanisch war alles dabei. Damals waren die Grenzen ja auch noch nicht offen und Spezialitätenläden wie heute gab es in den 80er, 90er Jahren noch nicht. Seitdem war die Bude immer voll.“ Drei Jahre später war noch immer kein Ende des Erfolges in Sicht und bis heute läuft das Geschäft hervorragend. Längst schätzen die Gäste die Klosterschänke als gastronomische Institution für gutbürgerliche bis feine Küche. Der Fokus liegt nun allerdings auf regionaler Frischeküche, die sich nach der Saison richtet.

Aufwertung für das Klostergelände

Mittlerweile gehören zur Klosterschänke außerdem acht Gästezimmer, vier Ferienwohnungen, ein kleiner Souvenir- und Weinladen sowie ein Skulpturenhaus, wo früher eine Kegelbahn war. In der angeschlossenen Mühle, die sich mit einer Bar im Keller und einer gemütlichen Lounge im Obergeschoss perfekt zur Party Location eignet, geben sich zig Brautpaare das Ja-Wort und können anschließend mit bis zu 70 Gästen feiern. Auch die Remise steht für Trauungen zur Verfügung. Seit einigen Jahren finden auf dem Klostergelände zudem der traditionelle Mittelaltermarkt und ein Kunsthandwerkermarkt statt. „Die Idee war, einerseits das Klostergelände attraktiver zu gestalten und andererseits das Geschäft auszuweiten“, erklärt Jens Burgdorf. Für die Märkte entwickelte der Restaurantfachmann eigene Gastronomiekonzepte. „Alles, was wir nicht im Restaurant der Klosterschänke anbieten, finden die Gäste an den Buden auf dem Markt. Dort steht zum Beispiel ein Smoker und selbstgemachte Flammkuchen werden angeboten. Das gefällt den Leuten.“

Kein Stillstand, kein Ruhetag

Der 53-Jährige hat seine Chance genutzt. „Ich wollte nach der Ausbildung eigentlich immer reisen und hätte mir dann etwas Eigenes gesucht, aber so hat es sich einfach anders ergeben“, sagt Jens Burgdorf, der die Entscheidung zu bleiben nicht bereut.

Von Anfang an sollte die Klosterschänke sieben Tage die Woche geöffnet sein, während alle Kollegen aus der Umgebung montags und dienstags Ruhetage einlegen. „Da kommen die Leute dann natürlich zu uns. Machbar ist das nur, indem wir einen guten Grundstock an Personal aufgebaut haben. Die meisten habe ich selbst angelernt“, betont Jens Burgdorf. Je drei Auszubildende im Service und in der Küche, die gleiche Menge Gesellen, eine Küchenchefin und einige Aushilfen beschäftigt er. Selbst ist er für den Service hauptverantwortlich, während seine Frau die Büroarbeit übernimmt. Da auch die Klosterschänke unter dem Nachwuchsproblem der Branche leidet, bietet Jens Burgdorf seinen Auszubildenden oft direkt einen Vertrag an. „Ich arbeite am liebsten mit gelernten Kräften. Umso besser, wenn es die eigene Leute sind“, betont der Gastronom.

Der Takt der Werbetrommel

Um auf sich und die Klosterschänke aufmerksam zu machen, setzt Jens Burgdorf vor allem auf Empfehlungen durch zufriedene Gäste und gezielte Berichterstattung über die Regionalpresse. Einige dieser Artikel zieren die Flure der Schänke. Außerdem erkannte er früh, dass der Weg an einer eigenen Website nicht vorbei führt. „Social Media sehe ich ebenfalls als wichtiges Instrument. Allerdings hinken wir hier etwas hinterher“, bedauert er. Seine Idee: Sich regelmäßige Termine setzen, an denen er aktuelle Veranstaltungen, Neuigkeiten und Infos über den Betrieb bei Facebook und Co. einstellt. „Das sorgt für sehr gute Rankings bei Google und anderen Suchmaschinen. Meinem Bruder, der das Hotel unserer Eltern weiterführt, gelingt das ausgezeichnet. Er antwortet auf Kommentare und Bewertungen über die einschlägigen Portale sofort.“ Die Reaktion darauf ist einerseits wichtig, damit die Gäste sich ernst genommen fühlen, andererseits muss bei der Antwort bedachte werden, dass andere, potenzielle Gäste die Konversation verfolgen und mitlesen.

Mit der Zeit gehen, dran bleiben und trotzdem Traditionen pflegen – das ist der Plan von Jens Burgdorf, damit seine Gäste auch in den nächsten 30 Jahren glücklich und zufrieden nach Hause gehen, nachdem sie sich am kühlen Klosterbier und den guten Speisen erfreut haben. Beste Voraussetzungen sind dafür geschaffen.

Das Interview mit Jens Burgdorf von der Klosterschänke erschien zuerst in der AHGZ – Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung vom 17. August 2019

Ein Kommentar

  1. Ja ich komme gerne in die Klosterschänke. Freundliches Personal, leckeres Essen, gemütlich und im Sommer draussen auf der Terasse einfach zum wohlfühlen

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